Davon abgesehen, dass Island-Reisende immer öfter Verwunderung darüber äußern, dass ihnen aufgrund von zu vielen Touristen im Land der Blick auf die bekanntesten Spots genommen wird und die “Ursprünglichkeit” verloren ginge, scheint der Hype an noch mehr Reisenden, die das Land “auch mal” sehen wollen, aktuell ungebrochen. Island ist in. Und damit die Freiheit, die Mythenbildung zu Land und Leuten anzuheizen. Erst kürzlich veröffentlichte eine deutsche Partyband ihre, wie sie selbst sagt, Fußball-Hymne als “Verneigung vor dem isländischen Volk”. Die Bilder sind heroisch. Der Wikinger durfte offenbar nicht fehlen. Ungeachtet dessen, dass es im Grunde Quatsch ist. Die isländische Kultur fand ihren Ursprung durch Siedler, die gezielt eine neue Existenz auf Island aufbauen wollten und dafür mit Hab und Gut gelandet sind. Eingeschlossen der Schafe und Pferde, die heute das Bild der isländischen Landschaft prägen.
Unbestritten ist die Landschaft Islands faszinierend. Doch Island sind auch Menschen, Kultur und Mentalität, die auf ihre Art ebenfalls faszinierend, gleichfalls aber auch ernüchternd sein können. Claudia Kerns, die selbst im Land lebt, kennt die Merkwürdigkeiten, die Freuden und auch die Stolpersteine, die einem in Deutschland sozialisiertem Weltbetrachter begegnen, wenn man das eigene Glück im sogenannten Italien des Nordens lebt. Kürzlich in Berlin berichtete sie von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, die dem gemeinen Touristen verwehrt bleiben. Insights geben und hinter die glänzenden Bilderbuchansichten schauen. Das ist es, was ihre Neugierde antreibt und was sie im Kulturaustausch zwischen Deutschland und Island spannend findet. Mal mit spitzen Beschreibungen, mal mit Aufforderungscharakter zu mehr Gelassenheit und immer verpackt in lebendig-humorvolle Art und Weise.